Kaum Zeit zum Lesen, doch was ich las, war Gold.
"Kurz waren die Tage, kurz waren die Nächte, jede Stunde floh schnell hinweg wie ein Segel auf dem Meere, unterm Segel ein Schiff voll von Schätzen, voll von Freuden. (...) Durch sein Auge lief Licht und Schatten, durch sein Herz lief Stern und Mond."
- Hermann Hesse, Siddharta
"'Freiheit' heisst der ewige Jingle unserer Zivilisation, doch haben nur diejenigen, die ihrer beraubt wurden, eine leise Ahnung, was es damit auf sich hat."
- David Mitchell, Der Wolkenatlas
"And in the end, we were all just humans ... Drunk on the idea that love, only love, could heal our brokenness."
- F. Scott Fitzgerald
Donnerstag, 31. Oktober 2013
Sonntag, 20. Oktober 2013
Reiseführer für Erdfremde
Ich mag Aliens. Wenn uns einer besuchen würden, würde ich ihm liebend
gerne unseren Planeten vorstellen, ihm alles über Mutter Erde erzählen. Zuerst
müsste ich ihm die Krone der terrestrischen Schöpfung, das höchste aller hier
hausenden Lebewesen näher bringen. Gestatten, der Mensch. Zweibeinig,
aufrechter Gang, ein Gehirn, das weit mehr Synapsen in sich trägt als das
gesamte Universum Sterne zu zählen vermag und so zu manch wilder Spinnerei und
flausiger Idee neigt. Würde der/das Alien (tatsächlich sind laut Duden beide
Varianten möglich, männlich und sächlich, wobei mir dies als überzeugte
Feministin *hüstel* als eine äusserst ungleichberechtigende Lösung erscheint. Schliesslich
weiss kein Mensch bis zur näheren Betrachtung des Ausserirdischen, ob er/sie/es
überhaupt einem Geschlecht zugeteilt werden kann, oder wortwörtlich nichts in
der Hose hat, wobei wir schon beim nächsten Punkt sind.) Also, würde die
extraterrestrische Lebensform beim Anblick einer freizügig powackelnden Miley
Cyrus o. Ä. lüstern seine gegebenenfalls vorhandenen Augenbrauen anheben,
könnte ich beruhigt mein Aufklärungsbuch für 5. Klässler zuklappen, in den
nächstbesten Mülleimer werfen und mir so die ganze Fortpflanzungsgeschichte
ersparen, da sie sich ja anscheinend nicht nur auf unserem Planeten als
beständigste Variante dem Aussterben entgegenzuwirken etabliert hat. Würde sich
in des Aliens Gesicht keine Regung zeigen (Ich verwende der Einfachheitshalber
ab nun die gerechteste Variante – Das Es), würde ich dies entweder darauf
schliessen, dass es wohl schwul/frigide/zu jung für versaute Gedanken/treu
verheiratet/ein heterosexuelles Weibchen sei, oder aber tiefseufzend
feststellen, dass diese erdfremde Spezies tatsächlich geschlechtslos ist und
sich auf mysteriöser Weise asexuell fortpflanzen würde. Also doch die ganze
Bienchen-und-Blümchen-Erzählung. Schliesslich muss das Alien wissen, was der
Grund allen Tun und Lassens des Menschen, der absolut triebgesteuerte Hintergrund
allen Strebens, Lebenslust und –Frust ist.
Nächster Punkt der Führung über die Erde und seine freundlichen Bewohner. Die grossartige Geschichte, wie der Mensch das Zepter über alle Lebewesen ergriff und somit die ganze Weltherrschaft an sich riss, würde ich in ein, zwei Sätzen zusammenfassen. Und zwar folgendermassen: Da war ein Urmensch, der sich niederliess, sein eigenes Häuschen baute und merkwürdige Krümelchen in die trockene Erde steckte, aus welcher sich dann wie durch Zauberhand grüne, lebenspendende Pflanzen erhoben, die dem Urmenschen beim Verzehr genügend Energie schenkten, um wilde Tiere zu jagen und mit ihrem Fleisch andere Menschen zu ernähren, um sich herum zu versammeln und so ein ganzes Dorf, eine Stadt aufzubauen. Und dann, einige Jährchen später kam da ein Cäsar, dann irgendwann mal ein Napoleon und dann ein Hitler, alle drei grössenwahnsinnige und von Minderwertigkeitskomplexen gequälte, gar psychopatisch gefärbte Tyrannen, die die ihnen gegebene Herrschaft rigoros vergewaltigten, hunderte ihrer Untertanen in den kalten, ungerechtfertigten Tod schickten und so als Schwerverbrecher in die Weltgeschichte eingingen. Fertig mit dieser Weltgeschichte. Das Alien wäre so oder so nicht besonders interessiert am historischen Hintergrund unseres Planeten. Wieso sollte uns auch ein Alien aufgrund touristischer Interessen besuchen wollen? Schon mal einen Ausserirdischen mit Kamera und bis zum Knie reichenden Socken unter den Sandalen gesichtet, der irgendwelche antiken Bauwerke abknipst? Eben. Vielmehr würde es auf zahlreich vorkommende Rohstoffe hoffen, die es uns dann irgendwie frech abluchsen würde. Schliesslich gibt es für keine extraterrestrische Lebensform einen anderen Grund, solch einen lichtjahrtausendlangen Weg auf sich zu nehmen, als die Verarmung an Wasser, Erdöl und Platz des eigenen Planeten. Meiner Meinung nach zumindest. Wenn Aliens kommen, dann nicht in guter Absicht, sie kommen nur, um sich rücksichtslos zu holen, was sie brauchen. Egoismus ist nun mal nicht nur der Grundzug der Psyche eines jeden Menschen. Es ist der Grundzug der Psyche eines jeden Lebewesens, von welchem Planeten es auch kommen mag. Und deshalb würde mich das Alien über unsere Ressourcen, unsere Luftqualität und ähnlichem ausfragen, nur ganz beiläufig, um nicht den Eindruck zu erwecken, sich an unseren Bodenschätzen vergreifen zu wollen. Die Antwort, die ich ihm auf diese Frage geben würde, bedürfte einer ausschweifenden Vorbemerkung, die ich mir zuerst schön zusammenbüscheln müsste, weshalb ich das Alien erst einmal auf später vertrösten würde. Zurück zu dem Vortrag, den ich dem Neuankömmling bieten würde, am besten begleitet von einer feschen Powerpoint Präsentation, gespickt mit willkürlich daher hüpfenden und wild rotierenden Titeln in gewagten Farbkombinationen. Die Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten muss schliesslich gebührend visualisiert werden. Als nächster zu erwähnender Punkt, der mir gleichzeitig nach kurzer Überlegung als Vorbemerkung zur Beantwortung der Frage dieses Aliens diente, wäre da die aktuelle Lage unseres Planeten, die ich dem erdfremden Wesen erklären würde. Aber zuerst würde ich ihm unsere Welt beschreiben, wie sie damals, vor gar nicht allzu vielen Jahren, ausgesehen hat. Damals, als die Menschen sich noch in ihren eigenen Exkrementen labten, nur assen, was sie selbst angebaut hatten und sich ihre Kleider eigenhändig nähten. Mit eigens gewebten Stoffen. Aus Wolle ihrer eigenen Schafen. Selbst gescherten Schafen. Kurz, als die industrielle Revolution noch nicht mit ihren heissen, rastlosen Fingern um sich griff, die Leute mit Geldgier und das Land mit Abgasen der aufblühenden Globalisierung dieser ewig pulsierenden Welt verpestete, als Mutter Erde noch wie ein übergrosses Abbild der Venus mit üppigen, milchgefüllten Brüsten und gebärfreudigen Hüften vor Fruchtbarkeit und jungfräulicher Reinheit nur so strotzte. Als die Erde noch rosig war, übersät von grünen Pflanzen und durchzogen von süsser Lieblichkeit, in welcher pausbäckige Kinder freudestrahlend Purzelbäume schlugen und Löwenzähne pusteten. Als sich der Hass noch nicht in den Gemütern der Gesellschaft eingenistet hat, von Eifersucht und verbissenem Perfektionismus zum Leben erweckt. Als die Welt anders war, nicht besser als heute, aber unschuldiger. Damals. Heute ist alles anders, diese Tage, an denen von allem irdischen Bestehen der süsse, honiggelbe Honig tropfte, gehören der Vergangenheit an, deren Existenz nur noch in unseren Memoiren ihrem Dasein fristet. Nun tropft da von der hämmernden Wirklichkeit nur noch ein kläglicher Rest schwarzen Erdöls aus den Tiefen der ausgebeuteten Mutter Erde, in welchem Smileys mit Dollarnoten als Augen und fettem Grinsen im Gesicht herumschwimmen.
„Und deshalb“, würde ich nach diesen langen Ausschweifungen meine Rede schliesslich beenden, „ist es uns nicht gewährt, dir etwas mit auf deinen Weg zu geben. Bei uns gibt es nichts mehr zu holen. Aber falls du einen reichen Planeten findest, du kennt ja unsere Koordinaten in der Milchstrasse.“ Dann würde ich ihm verschwörerisch zuzwinkern. Zweimal. Denn doppelt hält besser, verrät dennoch nichts von der Verzweiflung über die aussichtslose Lage, in welche wir unsere Heimat drängen, die sich langsam und schleichend in mir breit macht.
Und so würde das Alien verdrossen in sein Ufo steigen und davondüsen.
Nächster Punkt der Führung über die Erde und seine freundlichen Bewohner. Die grossartige Geschichte, wie der Mensch das Zepter über alle Lebewesen ergriff und somit die ganze Weltherrschaft an sich riss, würde ich in ein, zwei Sätzen zusammenfassen. Und zwar folgendermassen: Da war ein Urmensch, der sich niederliess, sein eigenes Häuschen baute und merkwürdige Krümelchen in die trockene Erde steckte, aus welcher sich dann wie durch Zauberhand grüne, lebenspendende Pflanzen erhoben, die dem Urmenschen beim Verzehr genügend Energie schenkten, um wilde Tiere zu jagen und mit ihrem Fleisch andere Menschen zu ernähren, um sich herum zu versammeln und so ein ganzes Dorf, eine Stadt aufzubauen. Und dann, einige Jährchen später kam da ein Cäsar, dann irgendwann mal ein Napoleon und dann ein Hitler, alle drei grössenwahnsinnige und von Minderwertigkeitskomplexen gequälte, gar psychopatisch gefärbte Tyrannen, die die ihnen gegebene Herrschaft rigoros vergewaltigten, hunderte ihrer Untertanen in den kalten, ungerechtfertigten Tod schickten und so als Schwerverbrecher in die Weltgeschichte eingingen. Fertig mit dieser Weltgeschichte. Das Alien wäre so oder so nicht besonders interessiert am historischen Hintergrund unseres Planeten. Wieso sollte uns auch ein Alien aufgrund touristischer Interessen besuchen wollen? Schon mal einen Ausserirdischen mit Kamera und bis zum Knie reichenden Socken unter den Sandalen gesichtet, der irgendwelche antiken Bauwerke abknipst? Eben. Vielmehr würde es auf zahlreich vorkommende Rohstoffe hoffen, die es uns dann irgendwie frech abluchsen würde. Schliesslich gibt es für keine extraterrestrische Lebensform einen anderen Grund, solch einen lichtjahrtausendlangen Weg auf sich zu nehmen, als die Verarmung an Wasser, Erdöl und Platz des eigenen Planeten. Meiner Meinung nach zumindest. Wenn Aliens kommen, dann nicht in guter Absicht, sie kommen nur, um sich rücksichtslos zu holen, was sie brauchen. Egoismus ist nun mal nicht nur der Grundzug der Psyche eines jeden Menschen. Es ist der Grundzug der Psyche eines jeden Lebewesens, von welchem Planeten es auch kommen mag. Und deshalb würde mich das Alien über unsere Ressourcen, unsere Luftqualität und ähnlichem ausfragen, nur ganz beiläufig, um nicht den Eindruck zu erwecken, sich an unseren Bodenschätzen vergreifen zu wollen. Die Antwort, die ich ihm auf diese Frage geben würde, bedürfte einer ausschweifenden Vorbemerkung, die ich mir zuerst schön zusammenbüscheln müsste, weshalb ich das Alien erst einmal auf später vertrösten würde. Zurück zu dem Vortrag, den ich dem Neuankömmling bieten würde, am besten begleitet von einer feschen Powerpoint Präsentation, gespickt mit willkürlich daher hüpfenden und wild rotierenden Titeln in gewagten Farbkombinationen. Die Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten muss schliesslich gebührend visualisiert werden. Als nächster zu erwähnender Punkt, der mir gleichzeitig nach kurzer Überlegung als Vorbemerkung zur Beantwortung der Frage dieses Aliens diente, wäre da die aktuelle Lage unseres Planeten, die ich dem erdfremden Wesen erklären würde. Aber zuerst würde ich ihm unsere Welt beschreiben, wie sie damals, vor gar nicht allzu vielen Jahren, ausgesehen hat. Damals, als die Menschen sich noch in ihren eigenen Exkrementen labten, nur assen, was sie selbst angebaut hatten und sich ihre Kleider eigenhändig nähten. Mit eigens gewebten Stoffen. Aus Wolle ihrer eigenen Schafen. Selbst gescherten Schafen. Kurz, als die industrielle Revolution noch nicht mit ihren heissen, rastlosen Fingern um sich griff, die Leute mit Geldgier und das Land mit Abgasen der aufblühenden Globalisierung dieser ewig pulsierenden Welt verpestete, als Mutter Erde noch wie ein übergrosses Abbild der Venus mit üppigen, milchgefüllten Brüsten und gebärfreudigen Hüften vor Fruchtbarkeit und jungfräulicher Reinheit nur so strotzte. Als die Erde noch rosig war, übersät von grünen Pflanzen und durchzogen von süsser Lieblichkeit, in welcher pausbäckige Kinder freudestrahlend Purzelbäume schlugen und Löwenzähne pusteten. Als sich der Hass noch nicht in den Gemütern der Gesellschaft eingenistet hat, von Eifersucht und verbissenem Perfektionismus zum Leben erweckt. Als die Welt anders war, nicht besser als heute, aber unschuldiger. Damals. Heute ist alles anders, diese Tage, an denen von allem irdischen Bestehen der süsse, honiggelbe Honig tropfte, gehören der Vergangenheit an, deren Existenz nur noch in unseren Memoiren ihrem Dasein fristet. Nun tropft da von der hämmernden Wirklichkeit nur noch ein kläglicher Rest schwarzen Erdöls aus den Tiefen der ausgebeuteten Mutter Erde, in welchem Smileys mit Dollarnoten als Augen und fettem Grinsen im Gesicht herumschwimmen.
„Und deshalb“, würde ich nach diesen langen Ausschweifungen meine Rede schliesslich beenden, „ist es uns nicht gewährt, dir etwas mit auf deinen Weg zu geben. Bei uns gibt es nichts mehr zu holen. Aber falls du einen reichen Planeten findest, du kennt ja unsere Koordinaten in der Milchstrasse.“ Dann würde ich ihm verschwörerisch zuzwinkern. Zweimal. Denn doppelt hält besser, verrät dennoch nichts von der Verzweiflung über die aussichtslose Lage, in welche wir unsere Heimat drängen, die sich langsam und schleichend in mir breit macht.
Und so würde das Alien verdrossen in sein Ufo steigen und davondüsen.
Dienstag, 1. Oktober 2013
Perpetuum mobile
Ich stehe da, vor mir die in oranges Licht getauchte,
zerklüftete Berglandschaft. Die Sonne greift mit ihren Armen, die alles zum
Brennen bringen, um sich, wärmt meine Haut und weckt alles Leben auf. Gebirgsbrocken recken sich nach ihr, sehnsüchtig
strecken sie ihre steinigen Finger gen Himmel. Einst wuchsen sie immer höher
und höher, bis die Realität ihnen klar gemacht hat, dass sie ihr Ziel, Mutter
der Wärme, nie erreichen würden. Vögel ziehen ihre unendlichen Kreise weit über
mir, auf der Suche nach etwas ganz bestimmten, doch was genau das ist, wissen auch
sie selbst nicht. Die Morgendämmerung lässt die Gebirgszüge erleuchten, weckt
die Milliarden Jahre alten Felsen auf, sie zeigen mir ihr wahres Gesicht. In
der Ferne verschwimmen die Gesteine mit dem Himmel, als würden sie mit der
Ewigkeit verschmelzen wollen. Die Sterne verblassen, winken mir ein letztes Mal
zu. Der grosse Wagen fährt davon, macht sich auf seine ewige Reise zu einer
anderen Galaxie. Doch weit wird er nicht kommen. Heute Abend, da wird er wieder
da sein. Er flüchtet an jedem neuen Tag, doch ist er gefesselt an meinem
Planeten und egal, wie schnell sich seine Räder drehen, in der Nacht wird er
sich wieder festgenagelt am Himmel finden
und eben diesen verfluchen. Ich winke
zurück. Gute Reise.
Die Sonne geht auf, blendet meine Augen. Irgendwann platzt sie, da bin ich mir sicher. Seit Tausenden von Jahren dreht sie sich um sich selbst und schaut ihren Kindern zu, wie diese wiederum ihre Bahnen um sie ziehen. Und sie dreht sich und dreht sich, steht niemals still und wird es auch nie tun. Doch niemand kann sich ununterbrochen um sich drehen. Irgendwann platzt sie. Die Sonnenfetzten werden mit Lichtgeschwindigkeit in das Universum fliegen, einige treffen auf die Erde und einer, ein ganz gewisser, landet auf meiner Wange und ätzt mir das Fleisch bis auf den Knochen weg. Hastig wische ich mir den Staub aus dem Gesicht.
Einst drehte auch ich mich, ich drehte mich und drehte mich ununterbrochen um mich selber. In gleichmässiger Geschwindigkeit, in immer der gleichen Bahn. Es war die perfekte Geschwindigkeit, die perfekte Bahn. Ich hatte alles unter Kontrolle. Ich war perfekt. Doch Perfektion ruft das Gefühl der Missgunst und der Eifersucht in anderen Geschöpfen hervor, die ebenfalls nach dieser Perfektion streben und sie doch nie erreichen. Diese Gefühle bedrängten mich von allen Seiten, zerdrückten mich zu einer unförmigen Birne, der es verwehrt ist, ihre gleichmässigen Bahnen zu ziehen und glücklich zu sein. Ich war kurz davor zu bersten, konnte dem Druck nicht mehr standhalten. Ich musste fliehen, fliehen um mich und die anderen Geschöpfe, die sich vor Eifersucht fast gegenseitig die Köpfe einschlugen, zu schützen. Ich hätte gerne aufgehört mich zu drehen. Aufgehört, perfekt zu sein. Doch ist man einmal in dieser vollkommenen Bahn, die ich nun mal gefunden habe, hat man einmal das perfekte Gleichgewicht zwischen Gravitation und Fliehkraft gefunden, kann man sich seinem Schicksal nicht mehr entziehen, man dreht sich und dreht sich und dreht sich. Und kommt nie zur Ruhe. Ich hatte sie gesucht, die perfekte Bahn, doch gefunden hatte sie mich. Und seitdem liess sie mich nicht mehr los, so wie mich die neidischen Blicke und die wispernden Münder verfolgten und gierig auf meinen Kollaps, mein Scheitern, eine regelrechte supernova humana, warteten. Irgendwann platze ich, da war ich mir sicher. Meine zerfetzten Überreste fliegen mit Lichtgeschwindigkeit durch das Universum und einer, ein ganz gewisser, landet auf diesem einen, auf meinem Planeten und bringt ihn zum Glühen. Und ich folge diesem Glühen, erst nur mit meinem Blick, in den Nachthimmel schweifend, dann mit meinen Gedanken und schliesslich mit meinem Herz aus Muskelfleisch und Blut.
Und ich komme an.
Ich komme an und beginne zu leben, ein zweites Mal, ein glücklicheres Mal, ein Mal, in dem ich niemandem etwas beweisen muss, indem mir niemand Blicke zuwirft, welche gefährliche Waffen sind, in dem mir niemand vorgibt, mich zu mögen und in dem niemand Macht über mich hat. Niemand, der mich anlächelt und mir alles Gute wünscht, doch der mich in Wirklichkeit um meine perfekte Drehung beneidet. Und ich fange wieder an, meine Bahnen zu ziehen, mich unaufhörlich um mich selbst zu drehen, von nichts und niemandem gestört, denn ich bin allein, allein und frei.
Und ich drehe mich und drehe mich und drehe mich.
Die Sonne geht auf, blendet meine Augen. Irgendwann platzt sie, da bin ich mir sicher. Seit Tausenden von Jahren dreht sie sich um sich selbst und schaut ihren Kindern zu, wie diese wiederum ihre Bahnen um sie ziehen. Und sie dreht sich und dreht sich, steht niemals still und wird es auch nie tun. Doch niemand kann sich ununterbrochen um sich drehen. Irgendwann platzt sie. Die Sonnenfetzten werden mit Lichtgeschwindigkeit in das Universum fliegen, einige treffen auf die Erde und einer, ein ganz gewisser, landet auf meiner Wange und ätzt mir das Fleisch bis auf den Knochen weg. Hastig wische ich mir den Staub aus dem Gesicht.
Einst drehte auch ich mich, ich drehte mich und drehte mich ununterbrochen um mich selber. In gleichmässiger Geschwindigkeit, in immer der gleichen Bahn. Es war die perfekte Geschwindigkeit, die perfekte Bahn. Ich hatte alles unter Kontrolle. Ich war perfekt. Doch Perfektion ruft das Gefühl der Missgunst und der Eifersucht in anderen Geschöpfen hervor, die ebenfalls nach dieser Perfektion streben und sie doch nie erreichen. Diese Gefühle bedrängten mich von allen Seiten, zerdrückten mich zu einer unförmigen Birne, der es verwehrt ist, ihre gleichmässigen Bahnen zu ziehen und glücklich zu sein. Ich war kurz davor zu bersten, konnte dem Druck nicht mehr standhalten. Ich musste fliehen, fliehen um mich und die anderen Geschöpfe, die sich vor Eifersucht fast gegenseitig die Köpfe einschlugen, zu schützen. Ich hätte gerne aufgehört mich zu drehen. Aufgehört, perfekt zu sein. Doch ist man einmal in dieser vollkommenen Bahn, die ich nun mal gefunden habe, hat man einmal das perfekte Gleichgewicht zwischen Gravitation und Fliehkraft gefunden, kann man sich seinem Schicksal nicht mehr entziehen, man dreht sich und dreht sich und dreht sich. Und kommt nie zur Ruhe. Ich hatte sie gesucht, die perfekte Bahn, doch gefunden hatte sie mich. Und seitdem liess sie mich nicht mehr los, so wie mich die neidischen Blicke und die wispernden Münder verfolgten und gierig auf meinen Kollaps, mein Scheitern, eine regelrechte supernova humana, warteten. Irgendwann platze ich, da war ich mir sicher. Meine zerfetzten Überreste fliegen mit Lichtgeschwindigkeit durch das Universum und einer, ein ganz gewisser, landet auf diesem einen, auf meinem Planeten und bringt ihn zum Glühen. Und ich folge diesem Glühen, erst nur mit meinem Blick, in den Nachthimmel schweifend, dann mit meinen Gedanken und schliesslich mit meinem Herz aus Muskelfleisch und Blut.
Und ich komme an.
Ich komme an und beginne zu leben, ein zweites Mal, ein glücklicheres Mal, ein Mal, in dem ich niemandem etwas beweisen muss, indem mir niemand Blicke zuwirft, welche gefährliche Waffen sind, in dem mir niemand vorgibt, mich zu mögen und in dem niemand Macht über mich hat. Niemand, der mich anlächelt und mir alles Gute wünscht, doch der mich in Wirklichkeit um meine perfekte Drehung beneidet. Und ich fange wieder an, meine Bahnen zu ziehen, mich unaufhörlich um mich selbst zu drehen, von nichts und niemandem gestört, denn ich bin allein, allein und frei.
Und ich drehe mich und drehe mich und drehe mich.
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