Mittwoch, 30. April 2014
Favorite Quotes 0414
Seine Mutter hatte sich bei niemand anderem als Goethe erkundigt, wie sie ihre Söhne ausbilden solle.
Ein Brüderpaar, antwortete dieser, in welchem sich so recht die Vielfalt menschlicher Bestrebungen ausdrücke, wo also die reichen Möglichkeiten zu Tat und Genuss auf das vorbildlichste Wirklichkeit geworden, das sei in der Tat ein Schauspiel, angetan, den Sinn mit Hoffnung und den Geist mit mancherlei Überlegung zu erfüllen.
Diesen Satz verstand keiner.
- Daniel Kehlmann, Die Vermessung der Welt
Fish, he said, I love you and respect you very much. But I will kill you dead before this day ends.
- Ernest Hemmingway, The Old Man and the Sea
Die Liebe gibt nur sich selbst und schöpft nur aus sich selbst.
Die Liebe besitzt nicht und will nicht, dass man sie besitzt;
Denn die Liebe ist sich selbst genug.
- Khalil Gibran, Der Prophet
They came to Mumbai, the city of gold, with dreams in their hearts of striking it rich and living upper-middle-class lives. But that gold turned to lead a long time ago, leaving behind rusted hearts and gangrenous minds. Like my own.
-Vikas Swarup, Slumdog millionaire (originally published as Q&A)
Eurotransplant glaubt, dass wir zueinander passen. Eurotransplant war der Meinung, wir sollten es miteinander probieren, du, mein Match, und ich, gleiche Blutgruppe, Rhesus negativ. Wir haben uns gefunden. Und haben uns verpasst, bleiben jetzt aber zusammen. Und leben noch ein bisschen, du durch mich und ich durch dich.
Ich weiss nichts über dich, ich weiss überhaupt nichts. Und doch fehlst du mir, du fehlst mir wie verrückt.
-David Wagner, Leben
Er kann wieder sehen, sehr gut sogar, trotz des Regens. Und sein Entschluss steht fest: dieser vergifteten, vulgären, vergnügungssüchtigen, von innen heraus verfaulenden Gesellschaft, die lediglich damit beschäftigt ist, nutzlose Dinge anzuhäufen, Tiere zu schlachten und des Menschen Seele zu zerstären, adieu zu sagen, für immer, das wird er tun.
-Christian Kracht, Imperium
Montag, 14. April 2014
Heimkehr
Eines Tages fand sich der Weitgereiste unversehens vor seiner
eigenen Haustüre wieder. Etwas überrascht ob der Tatsache, dass dieses vor ihm
stehende Häuschen tatsächlich das seinige war, trat er ein, warf seinen
Reisegefährten, den Rucksack, zu Boden und setzte sich eine Tasse heissen Tee
auf. Nur von geringer Müdigkeit befallen fasste er die neuste Zeitung, die in
sein Häuschen gesegelt war, und erkundigte sich minder interessiert am neusten
Weltgeschehen. Der Rucksack blieb derweil unausgepackt dort liegen, wo er durch
des Weitgereisten Wurfs zum Verweilen verdonnert worden war.
Des Nachts konnte der Weitgereiste nicht schlafen. Hitze durchströmte seinen
Körper, ihm träumte fieberhaft von wilden Löwen, brechenden Wellen und
ungezähmtem Dschungel, in dem die Makaken kreischten. Sein Bette war auf
mühseliger Art zu weich für seinen abgehärteten, den rauen Verhältnissen des
Waldbodens angepassten Rücken, unentwegt warf sich der Weitgereiste hin und
her, als sei er auf der Suche nach spitzen Steinen, beissenden Brennnesseln
oder anderen Vorkommnissen der Natur, die ihm dem ersehnten Schlafe schenken
konnten. Doch nichts von alle diesem fand er in seinem Kissen- und Deckenberg.
Dem Weitgereisten war, als wäre sein Bette zur Weltkugel gebogen und er, einem
Riesen gleich, läge viel zu gross auf diesem Erdball, dessen Krümmung ihm
unverhohlen in den Rücken piekte, egal, wie er sich drehte und wendete.
Als die Sonne endlich in den Himmel stach, schwang sich der Weitgereiste aus
seinem Bette und zog, trotz der schlaflosen Nacht kein bisschen müde, die
Vorhänge seiner Schlafkammer auf und blickte auf die ihm so wohlbekannte Welt. Die
Vögel zwitscherten, der Tau lag als frisches Indiz der kühlen Nacht auf Wiesen
und Feldern sowie auf der Spinne Netz vor seinen Augen, der Himmel schmückte
sich mit vereinzelten auseinandergerissenen Zirruswolken, ansonsten strahlte er
frei und rein und wälzte sich in den wunderbarsten Orange- und Rottönen, die
gegen Westen in ein klares blau verliefen und des Weitgereisten Herz zum erfreuten
Bummern brachten. Doch irgendetwas war anders.
Der Weitgereiste setzte sich zu Tische, obwohl kein Anzeichen des Hungers durch
seinen Magen grollte. Dennoch wollte er sich einen Schlucke Milch einverleiben,
doch als er an der weissen Flüssigkeit schnupperte, musste er erkennen, dass
ihre Tage schon längst hinüber waren, eigentlich erdenklich, der Weitgereiste
konnte sich nicht mehr entsinnen, wann er das letzte Mal die Türe seines Heimes
hinter sich gelassen hatte. So setzte er sich ohne Milch zu Tische und blickte
die vor ihm stehenden Narzissen und Rosen an, in einem unordentlich gebundenen
Strausse vereint, und erfreute sich ob ihrer strahlenden Schönheit. Ihr
Wassermahl war schon seit Wochen von ihren gierigen Stängeln vollends
aufgesaugt und nunmehr hängten die Blüten schwach und verdorrt an ihnen, wieder
war da eine Spinne, die ihr Nest gekonnt über die Blumenleichen gespannt hatte.
Vor dieser Vollkommenheit erschauderte der Weitgereiste, ein Kichern drang
glucksend aus seiner trockenen Kehle hervor. Er hatte gewusst, dass etwas
anders war.
In den folgenden Minuten war dem Weitgereisten, als galoppiere eine Herde der Erkenntnis, ja gar der vollkommenen Erleuchtung durch seinen ausgelüfteten Verstand. All der Schwermut und all die Trübsal der letzten Monate und Jahre fielen von ihm ab, es war ihm, als wäre eine ungeheure Last von seinen Schultern und seinem Herzen genommen. Heute hier, morgen da, das war der Alltag des Weitgereisten geworden, und durch dieses ständige Unterwegssein, niemals rasten, niemals ruhen, hatte sich langsam, langsam und schleichend das Vergessen in sein Denken gemausert, endlich konnte er vergessen, vergessen und verzeihen, und sich somit mit der Welt versöhnen. Die Vergangenheit schien ihm nicht mehr nachtrauernswert, denn sie war passé und das war auch von Nöten, nun verweilte sie nur noch an gute Erinnerungen gezurrt in seinem Gedächtnis und er entsann sich liebend gerne ihres süssen Geschmackes. Endlich war er heimgekehrt. Ein breites Lächeln spielte mit des Weitgereisten Mundwinkeln und verzerrte sein ganzes Gesicht zu einer lange nicht mehr in diesen Räumlichkeiten gesehenen Grimasse, die von Glück und Freude sprach. Er packte den Rucksack, der die Nacht ebenfalls schlaflos in niedergeworfener Position zu Boden verbracht hatte, und stolzierte erhaben durch die Türe hinaus in die weite Welt, denn er liess sich nicht umsonst als Weitgereister betiteln.
In den folgenden Minuten war dem Weitgereisten, als galoppiere eine Herde der Erkenntnis, ja gar der vollkommenen Erleuchtung durch seinen ausgelüfteten Verstand. All der Schwermut und all die Trübsal der letzten Monate und Jahre fielen von ihm ab, es war ihm, als wäre eine ungeheure Last von seinen Schultern und seinem Herzen genommen. Heute hier, morgen da, das war der Alltag des Weitgereisten geworden, und durch dieses ständige Unterwegssein, niemals rasten, niemals ruhen, hatte sich langsam, langsam und schleichend das Vergessen in sein Denken gemausert, endlich konnte er vergessen, vergessen und verzeihen, und sich somit mit der Welt versöhnen. Die Vergangenheit schien ihm nicht mehr nachtrauernswert, denn sie war passé und das war auch von Nöten, nun verweilte sie nur noch an gute Erinnerungen gezurrt in seinem Gedächtnis und er entsann sich liebend gerne ihres süssen Geschmackes. Endlich war er heimgekehrt. Ein breites Lächeln spielte mit des Weitgereisten Mundwinkeln und verzerrte sein ganzes Gesicht zu einer lange nicht mehr in diesen Räumlichkeiten gesehenen Grimasse, die von Glück und Freude sprach. Er packte den Rucksack, der die Nacht ebenfalls schlaflos in niedergeworfener Position zu Boden verbracht hatte, und stolzierte erhaben durch die Türe hinaus in die weite Welt, denn er liess sich nicht umsonst als Weitgereister betiteln.
Freitag, 4. April 2014
Ein Dichter
Ein Dichter braucht
nicht viel zum Leben.
Ein funktionstüchtiger Stift und ein Blatt Papier von anständiger Grösse genügen ihm in den meisten Situationen.
Ein funktionstüchtiger Stift und ein Blatt Papier von anständiger Grösse genügen ihm in den meisten Situationen.
Ein Dichter braucht
nicht viel zu Essen.
Er lebt von Äpfeln, Kiwis und getrockneten Trauben, die ihn mit ihrer Einfachheit nicht von seinen schwirrenden Gedanken ablenken. Manchmal dürstet ihm nach etwas Käse oder einem Stückchen Schokolade. Doch eigentlich benötigt er nur eine Tasse schwarzen Kaffee, ohne Zucker und Milch, eiskalt oder dampfend heiss.
Er lebt von Äpfeln, Kiwis und getrockneten Trauben, die ihn mit ihrer Einfachheit nicht von seinen schwirrenden Gedanken ablenken. Manchmal dürstet ihm nach etwas Käse oder einem Stückchen Schokolade. Doch eigentlich benötigt er nur eine Tasse schwarzen Kaffee, ohne Zucker und Milch, eiskalt oder dampfend heiss.
Ein Dichter braucht
nicht viel Gesellschaft.
Am liebsten sitzt er in tiefster Nacht in seinem dunklen Kämmerchen und schreibt im Kerzenschein oder verliert sich in Werken seiner geschätzten Kollegen, mit denen er nur durch das geschriebene Wort spricht.
Am liebsten sitzt er in tiefster Nacht in seinem dunklen Kämmerchen und schreibt im Kerzenschein oder verliert sich in Werken seiner geschätzten Kollegen, mit denen er nur durch das geschriebene Wort spricht.
Ein Dichter braucht
nicht viel Geld.
Seine Imagination ist sein wertvollstes Gut, ohne sie könnte er die Steuern des
Lebens nicht bezahlen, ohne sie taumelte er sinnlos zwischen den Welten und
würde vergeblich nach einem Ort im Universum suchen, der für ihn bestimmt ist.
Ein Dichter braucht
nicht viel Schlaf.
Nur wenn seine Gedanken verrückt spielen, wenn sie ihn gegen die Welt und sich selbst aufhetzen, legt er sich hin, erstickt seine garstigen Widersacher und erhofft sich von ihrem Tod Träume, denn er liebt es, zu träumen. Und dies tut er unentwegt, selbst bei wachem Zustand, niemand kann die Träumereien aus ihm prügeln, und so schwebt er unentwegt in seiner eigenen kleinen Traumwelt.
Nur wenn seine Gedanken verrückt spielen, wenn sie ihn gegen die Welt und sich selbst aufhetzen, legt er sich hin, erstickt seine garstigen Widersacher und erhofft sich von ihrem Tod Träume, denn er liebt es, zu träumen. Und dies tut er unentwegt, selbst bei wachem Zustand, niemand kann die Träumereien aus ihm prügeln, und so schwebt er unentwegt in seiner eigenen kleinen Traumwelt.
Ein Dichter braucht
nicht viel Sonnenschein.
In seinem Herzen scheint diese Sonne schon, ihr glänzendes Licht strahlt aus seinen Augen, singt die wundervollsten Balladen, wenn er den Mund öffnet. Selbst wenn die tatsächliche Sonne schon tagelang keine Strahlen auf die Oberfläche der Erde geworfen hat, schenkt er seinen Figuren ihre Lebenswärme und lässt somit auch sich selbst nicht in Dunkelheit umher irren.
In seinem Herzen scheint diese Sonne schon, ihr glänzendes Licht strahlt aus seinen Augen, singt die wundervollsten Balladen, wenn er den Mund öffnet. Selbst wenn die tatsächliche Sonne schon tagelang keine Strahlen auf die Oberfläche der Erde geworfen hat, schenkt er seinen Figuren ihre Lebenswärme und lässt somit auch sich selbst nicht in Dunkelheit umher irren.
Ein Dichter braucht
kein Mädchen.
Vielleicht von Zeit zu Zeit samte Lippen auf den seinigen, doch Beziehungen führt er nur mit seinen eigens kreierten, vollendeten Figuren, die nur die Worte aussprechen, die er ihnen selbst in den Mund gelegt hat, die die Gedanken in sich tragen, von denen auch er heimgesucht wird, die Figuren, die er so gut kennt, weil sie aus seinem eigen Fleisch und Blut entsprangen, die Figuren, die ihn in seiner Einsamkeit mit ihrer fiktiven Anwesenheit unterhalten.
Ein Dichter weiss, dass kein sterbliches Wesen seinen Kreationen das Wasser reichen kann.
Vielleicht von Zeit zu Zeit samte Lippen auf den seinigen, doch Beziehungen führt er nur mit seinen eigens kreierten, vollendeten Figuren, die nur die Worte aussprechen, die er ihnen selbst in den Mund gelegt hat, die die Gedanken in sich tragen, von denen auch er heimgesucht wird, die Figuren, die er so gut kennt, weil sie aus seinem eigen Fleisch und Blut entsprangen, die Figuren, die ihn in seiner Einsamkeit mit ihrer fiktiven Anwesenheit unterhalten.
Ein Dichter weiss, dass kein sterbliches Wesen seinen Kreationen das Wasser reichen kann.
Von alledem braucht ein
Dichter nichts.
Und dennoch ist er König, denn er regiert die Welt.
Hinter dem nächtlichen Vorhang zieht er die Fäden des Lebens, lässt die Menschen auf Glatteis ausrutschen oder verpasst ihnen die Fähigkeit, sich aus der Schlinge um den Hals zu winden, verursacht Dinge, die den Menschen als vermeintliches Schicksalsschläge begegnen, doch es bedarf des ersten Sonnenscheines eines Tages, um dem Dichter gewahr zu machen, dass er sich schlussendlich nur in seiner eigenen kleinen Fantasiewelt als Wächter behauptet hat und sich der reale Schauplatz jedes Lebens unbeeindruckt von des Dichters Willen dreht, wie es ihm gefällt.
Und dennoch ist er König, denn er regiert die Welt.
Hinter dem nächtlichen Vorhang zieht er die Fäden des Lebens, lässt die Menschen auf Glatteis ausrutschen oder verpasst ihnen die Fähigkeit, sich aus der Schlinge um den Hals zu winden, verursacht Dinge, die den Menschen als vermeintliches Schicksalsschläge begegnen, doch es bedarf des ersten Sonnenscheines eines Tages, um dem Dichter gewahr zu machen, dass er sich schlussendlich nur in seiner eigenen kleinen Fantasiewelt als Wächter behauptet hat und sich der reale Schauplatz jedes Lebens unbeeindruckt von des Dichters Willen dreht, wie es ihm gefällt.
Ein Dichter braucht
nicht viel zum Leben.
Denn er selbst spielt nicht die Hauptrolle in ihm. Er opfert seine gesamte Aufmerksamkeit seinen Schützlingen, seinen Kindern, liebt sie, wie sie dastehen, schwarz auf weiss, für die Ewigkeit auf Papier gehämmert.
Denn er selbst spielt nicht die Hauptrolle in ihm. Er opfert seine gesamte Aufmerksamkeit seinen Schützlingen, seinen Kindern, liebt sie, wie sie dastehen, schwarz auf weiss, für die Ewigkeit auf Papier gehämmert.
Sie sind das Einzige,
auf das er nicht verzichten kann.
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