Eines Tages fand sich der Weitgereiste unversehens vor seiner
eigenen Haustüre wieder. Etwas überrascht ob der Tatsache, dass dieses vor ihm
stehende Häuschen tatsächlich das seinige war, trat er ein, warf seinen
Reisegefährten, den Rucksack, zu Boden und setzte sich eine Tasse heissen Tee
auf. Nur von geringer Müdigkeit befallen fasste er die neuste Zeitung, die in
sein Häuschen gesegelt war, und erkundigte sich minder interessiert am neusten
Weltgeschehen. Der Rucksack blieb derweil unausgepackt dort liegen, wo er durch
des Weitgereisten Wurfs zum Verweilen verdonnert worden war.
Des Nachts konnte der Weitgereiste nicht schlafen. Hitze durchströmte seinen
Körper, ihm träumte fieberhaft von wilden Löwen, brechenden Wellen und
ungezähmtem Dschungel, in dem die Makaken kreischten. Sein Bette war auf
mühseliger Art zu weich für seinen abgehärteten, den rauen Verhältnissen des
Waldbodens angepassten Rücken, unentwegt warf sich der Weitgereiste hin und
her, als sei er auf der Suche nach spitzen Steinen, beissenden Brennnesseln
oder anderen Vorkommnissen der Natur, die ihm dem ersehnten Schlafe schenken
konnten. Doch nichts von alle diesem fand er in seinem Kissen- und Deckenberg.
Dem Weitgereisten war, als wäre sein Bette zur Weltkugel gebogen und er, einem
Riesen gleich, läge viel zu gross auf diesem Erdball, dessen Krümmung ihm
unverhohlen in den Rücken piekte, egal, wie er sich drehte und wendete.
Als die Sonne endlich in den Himmel stach, schwang sich der Weitgereiste aus
seinem Bette und zog, trotz der schlaflosen Nacht kein bisschen müde, die
Vorhänge seiner Schlafkammer auf und blickte auf die ihm so wohlbekannte Welt. Die
Vögel zwitscherten, der Tau lag als frisches Indiz der kühlen Nacht auf Wiesen
und Feldern sowie auf der Spinne Netz vor seinen Augen, der Himmel schmückte
sich mit vereinzelten auseinandergerissenen Zirruswolken, ansonsten strahlte er
frei und rein und wälzte sich in den wunderbarsten Orange- und Rottönen, die
gegen Westen in ein klares blau verliefen und des Weitgereisten Herz zum erfreuten
Bummern brachten. Doch irgendetwas war anders.
Der Weitgereiste setzte sich zu Tische, obwohl kein Anzeichen des Hungers durch
seinen Magen grollte. Dennoch wollte er sich einen Schlucke Milch einverleiben,
doch als er an der weissen Flüssigkeit schnupperte, musste er erkennen, dass
ihre Tage schon längst hinüber waren, eigentlich erdenklich, der Weitgereiste
konnte sich nicht mehr entsinnen, wann er das letzte Mal die Türe seines Heimes
hinter sich gelassen hatte. So setzte er sich ohne Milch zu Tische und blickte
die vor ihm stehenden Narzissen und Rosen an, in einem unordentlich gebundenen
Strausse vereint, und erfreute sich ob ihrer strahlenden Schönheit. Ihr
Wassermahl war schon seit Wochen von ihren gierigen Stängeln vollends
aufgesaugt und nunmehr hängten die Blüten schwach und verdorrt an ihnen, wieder
war da eine Spinne, die ihr Nest gekonnt über die Blumenleichen gespannt hatte.
Vor dieser Vollkommenheit erschauderte der Weitgereiste, ein Kichern drang
glucksend aus seiner trockenen Kehle hervor. Er hatte gewusst, dass etwas
anders war.
In den folgenden Minuten war dem Weitgereisten, als galoppiere eine Herde der Erkenntnis, ja gar der vollkommenen Erleuchtung durch seinen ausgelüfteten Verstand. All der Schwermut und all die Trübsal der letzten Monate und Jahre fielen von ihm ab, es war ihm, als wäre eine ungeheure Last von seinen Schultern und seinem Herzen genommen. Heute hier, morgen da, das war der Alltag des Weitgereisten geworden, und durch dieses ständige Unterwegssein, niemals rasten, niemals ruhen, hatte sich langsam, langsam und schleichend das Vergessen in sein Denken gemausert, endlich konnte er vergessen, vergessen und verzeihen, und sich somit mit der Welt versöhnen. Die Vergangenheit schien ihm nicht mehr nachtrauernswert, denn sie war passé und das war auch von Nöten, nun verweilte sie nur noch an gute Erinnerungen gezurrt in seinem Gedächtnis und er entsann sich liebend gerne ihres süssen Geschmackes. Endlich war er heimgekehrt. Ein breites Lächeln spielte mit des Weitgereisten Mundwinkeln und verzerrte sein ganzes Gesicht zu einer lange nicht mehr in diesen Räumlichkeiten gesehenen Grimasse, die von Glück und Freude sprach. Er packte den Rucksack, der die Nacht ebenfalls schlaflos in niedergeworfener Position zu Boden verbracht hatte, und stolzierte erhaben durch die Türe hinaus in die weite Welt, denn er liess sich nicht umsonst als Weitgereister betiteln.
In den folgenden Minuten war dem Weitgereisten, als galoppiere eine Herde der Erkenntnis, ja gar der vollkommenen Erleuchtung durch seinen ausgelüfteten Verstand. All der Schwermut und all die Trübsal der letzten Monate und Jahre fielen von ihm ab, es war ihm, als wäre eine ungeheure Last von seinen Schultern und seinem Herzen genommen. Heute hier, morgen da, das war der Alltag des Weitgereisten geworden, und durch dieses ständige Unterwegssein, niemals rasten, niemals ruhen, hatte sich langsam, langsam und schleichend das Vergessen in sein Denken gemausert, endlich konnte er vergessen, vergessen und verzeihen, und sich somit mit der Welt versöhnen. Die Vergangenheit schien ihm nicht mehr nachtrauernswert, denn sie war passé und das war auch von Nöten, nun verweilte sie nur noch an gute Erinnerungen gezurrt in seinem Gedächtnis und er entsann sich liebend gerne ihres süssen Geschmackes. Endlich war er heimgekehrt. Ein breites Lächeln spielte mit des Weitgereisten Mundwinkeln und verzerrte sein ganzes Gesicht zu einer lange nicht mehr in diesen Räumlichkeiten gesehenen Grimasse, die von Glück und Freude sprach. Er packte den Rucksack, der die Nacht ebenfalls schlaflos in niedergeworfener Position zu Boden verbracht hatte, und stolzierte erhaben durch die Türe hinaus in die weite Welt, denn er liess sich nicht umsonst als Weitgereister betiteln.
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