Sonntag, 9. Februar 2014

Saeglópur




Es war ihr Plan gewesen, von Anfang an.
Ich war ihr schon längst mit Herz und Seele verfallen, doch sie wollte mehr, sie dürstete nach mir, wollte mich mit Haut und Haar vertilgen.
Sie hatte mein Schiff verschlungen, es mit bestechender Schnelligkeit in ihre unersättliche Tiefe gezogen.
Und ich sass da. In meinem Rettungsboot, allein. Und schaute dem Spektakel zu.
Wie unglaublich hungrig sie war und wie riesig ihr gieriger Schlund.
Es ist schmerzhaft, jemanden gehen zu lassen. Für immer verschwunden bleiben die Gedanken an Geliebte nur noch in verblassenden Erinnerungen zurück. Sie verschwimmen wie die Druckerschwärze der für die Ewigkeit gedruckten Zeichen eines Buches, das mit bedächtiger Ruhe in die Dunkelheit tiefer See gleitet.
So viele verlorene Seelen.
Ich weinte tagelang.
Der Horizont war nichts als eine weit entfernte, monoton verlaufende Linie, die Blau von Blau trennte. Eine Linie, die mich in den stillen Wahnsinn treiben wollte. Doch ich trieb ihr in meiner Nussschale nur entgegen, der Tatsache gewiss, dieser Grenze nie ein Quäntchen näher zu treten.
Der Hunger hetzte meinen Magen gegen mich auf, die Hitze schenkte mir bunte Bilder, von denen keines meine reale, heimtückische Feindin widerspiegelte.
Kinderlachen und Glockenspiele weckten mich, wenn ich eindöste, doch es waren nur die vorbeiziehenden Fische, die mich auslachten, da ich nun wie sie gefangen war, ein Opfer der verlockend rauschenden See.
Die Hoffnungslosigkeit, in welcher ich mich wand, und die Einsamkeit verwandelten mich in eine fischzerfleischenden Bestie, die unter dem beinahe unendlichen Himmel langsam vor sich hinsiechte und der unausweichlichen Erscheinung der Sterblichkeit in die düsteren Augen blickte.
Egal, ob sie ihre Wellen ungezähmt tanzen liess oder zur spiegelglatten See verebbte, sie wartete nur darauf, dass ich der Versuchung erlag und von ihrer köstlichen Tödlichkeit schlürfte.
Doch ich widerstand.
Tag für Tag. Für Tag.
Sie verzerrte meinen Geist zu einer schrecklichen Grimasse.
Als sich der Horizont entschloss, mir in der Ferne Sicht auf rettendes Land zu schenken, glühte mein Herz, doch nicht vor unbändiger Freude. Mein geschundenes Herz war von all dem Schmerz zu einem bizarren Gebilde geknotet, unfähig, Liebe zu verspüren.
Später zeigte man mir Bilder. Ein algenüberwuchertes Wrack, mehr war nicht übrig. Fische nisteten sich in verrottende Kabinen und Sälen ein, das Salzwasser zerfrass alles, was noch nicht verloren war und ich versuchte zu vergessen, dass meine ganze Vergangenheit auf den Grund des weiten Meeres gelaufen war und dort für immer in Unsterblichkeit weilte.
Die See hatte ihren Tribut gefordert.
Doch ich war ihr entronnen.


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 mit Robert Redford. Und einer Hand.

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